Supernatural!?

Rezension: Charlotte Vol. 1 & 2 (Blu-ray)

Am 13.12.2016 - 13:03 Uhr

Wichtig: Vorab möchte ich darauf hinweisen, dass mir das Rezensionsmaterial, also die Blu-ray-Editionen von Charlotte Vol. 1 & 2, freundlicherweise direkt von peppermint Anime zur Verfügung gestellt wurde. Dennoch werde ich die Rezension unvoreingenommen und kritisch angehen, in der Hoffnung euch ein reales Bild von der tatsächlichen Qualität aufzeigen zu können.

Übersicht

  1. Unboxings
  2. Über den Anime
  3. Story
  4. Vertonung
  5. Verpackung / Medium
  6. Fazit
  7. Amazon-Links

1. Unboxings

2. Über den Anime

Charlotte (シャーロット), stammt vom, insbesondere für seine Visual Novels, bekannten Studio Key. In Zusammenarbeit mit dem Studio P.A. Works (das auch schon für die Anime Adaption von Angel Beats! zuständig war), versuchten sich die Macher von Clannad, Angel Beats und Air nun an diesem Super-Power Schul-Drama.

Die Zeichen standen gut! So war unter anderem Key's Jun Maeda (Clannad, Air, Angel Beats) verantwortlich für die Story des Animes, für den Opening-Song konnte Lia verpflichtet werden und technisch hat P.A. Works erstklassige Arbeit geleistet... Doch was wohl ein Geheimnis bleiben wird, ist warum der im Juli 2015 erschienene Anime auf nur 13 Folgen ausgelegt wurde, die Story gab nämlich wesentlich mehr her, doch mehr dazu an späterer Stelle.

3. Die Story

Yuu ist ein arroganter, eingebildeter Schnösel, der für sein eigenes Wohl scheinbar über Leichen gehen würde. Doch das ist er nicht ganz ohne Grund, denn trotz seines guten Aussehens, ist er klug und gerissen. Zumindest auf den ersten Blick, denn was keiner weiß ist, dass er übernatürliche Kräfte besitzt. So kann er die Kontrolle von jeder beliebigen Person ergreifen, so lang er diese sieht! Doch zwei Haken hat das ganze dennoch die Zeitspanne ist auf 5 Sekunden begrenzt und sein Körper wird während dieser Zeit auch noch bewusstlos! Das hindert ihn nicht daran bei Klausuren die Antworten der klügsten Schüler der Schule abzuschreiben und somit als Nummer Eins an einer Elite-Akademie aufgenommen zu werden. Aber auch dort setzt er sein Treiben fort.

Eines Tages wird er vorgeführt, denn langsam ist es auffällig geworden. Nao und Joujirou überzeugen ihn dann, nach einer kleinen Scharade, an die Sternenmeer (Hoshinoumi) Akademie zu wechseln und dem Schülerrat beizutreten. Die Akademie ist speziell für Kinder und Jugendliche wie ihn geschaffen worden, die übernatürliche Kräfte besitzen, um sie vor verrückten Wissenschaftlern zu schützen. Der Schülerrat übernimmt dabei eine ganz besondere Rolle macht Kinder mit besonderen Fähigkeiten ausfindig, um diese dann von der Nutzung ihrerer Fähigkeiten abzuhalten. Zähneknirschend beugt er sich seinem Schicksal und zieht mit seiner kleinen Schwester Ayumi in das Studentenwohnheim der Sternenmeer Akademie.

Genialer Ansatz wird nicht ausgebaut!

Die Volume Eins lässt sich bis zur Folge 6 als normaler School Super-Power Anime mit vielen Comedy-Elementen zusammenfassen. Insbesondere Naos trockene Art macht Spaß. Yuu lernt seine Mitstreiter im Schülerrat zu schätzen und beginnt ein normales Leben, bis eines Tages etwas passiert, das er nicht verkraftet. Seine Welt wird auf den Kopf gestellt und so begibt er sich in der Folge 7 auf eine Art Selbstfindungstripp - mit ungewissem Ausgang.

Bei der Volume Zwei hat man einen nahtlosen Übergang zur Folge 7 und führt noch die Sängerin Sarah von Ziehend ein... Doch dann zur Folge 9 nimmt alles eine sehr abrupte Wendung... Die zwischendurch (auch durch Naos Bruder) erwähnten Versuchslabors, Zeitreisen, ein komplett neuer Cast an Charakteren, die größtenteils praktisch aus dem nichts eingeführt werden und das auch nur oberflächlich. Andere schon eingeführte Charaktere wie Sarah, oder der Bruder von Nao, werden leider nicht ausführlicher wieder aufgegriffen.

Charlotte ist ein Parade-Beispiel für einen Anime mit riesigem Potential, aber mit scheinbar zu wenig Zeit am Ende.

4. Vertonung

Wie inzwischen von Peppermint Anime gewohnt, ist die deutsche Synchronisation wirklich gut gelungen.

Einzig die stimmlichen Besetzungen von Misa und Ayumi können hinterfragt werden, aber nichts ist perfekt. Technisch betrachtet liegt der Ton als "DTS-HD Master Audio 2.0" vor, übersetzt heißt das: In Stereo. Als Sprachen findet ihr auf den Volumes sowohl eine japanische, als auch deutsche Tonspur vor.

Für mich war Charlotte auch ein kleines Experiment, es war das erste mal seit mindestens 15 Jahren, dass ich einen Anime zu erst auf Deutsch gesehen habe. Finde ich jetzt die deutsche Synchronisation besser als die japanische? Nein. Aber es hat mich auch zu keinem Zeitpunkt gestört, den Anime nicht in seiner Landessprache zu schauen. Ich habe das dann dennoch zumindest bei ein paar Folgen nachgeholt und muss sagen: Ich fand die japanische trotzdem "passender"...

Die musikalische Untermalung ist sehr gut gelungen. Die Klänge reichen von Groovy Elektronisch Funky, bis hin zum klassischen Klavier. Neben einer guten und passenden Begleitung des Anime, kann man paar der Lieder auch mal auf dem MP3-Player laufen lassen. Das Opening und Ending sind relativ typische Vertreter des Genres. Wobei insbesondere das erste Ending "Yake Ochinai Tsubasa" wirklich gut zu gefallen wusste.

5. Verpackung / Medium

Die Front-Cover sind passend, sowohl bei der ersten, als auch bei der zweiten Volume wurde das Bild sehr gut gewählt, da es auch den Inhalt der jeweiligen Volumes wiederspiegelt!

Doch alles was bei den Front-Covern richtig gemacht wurde, ist beim Schuberrücken wohl schief gelaufen. Die Screenshots der Vol. 2 fühlen sich zufällig an und geben überhaupt nicht den Kern der enthaltenen Folgen wieder.

Die Beschreibungen sind zwar in Ordnung, aber auch nicht ganz richtig...

Denn u.a. das Videospiel, auf dem Anime laut Beschreibung basieren soll, konnte ich nicht ausfindig machen. Es ist zwar eine Tatsache, dass das Studio Key insbesondere für seine Visual Novels bekannt ist, in diesem Fall handelt es sich aber um keine... Sondern wie auch schon bei Angel Beats um einen Original Anime, der eben in Zusammenarbeit mit dem Studio P.A. Works entstanden ist.

Diesmal fällt auch die Schriftfarbe der Beschreibung in die Kategorie: Design ist hier fehl am Platze!

Insbesondere wenn es um die Leserlichkeit geht, wurden hier einige Tabus gebrochen. Einen leichten Farb-Akzent hätte man der Schrift zwar geben können, aber so wie sie jetzt zu sehen ist, setzt sie sich sehr schlecht vom Hintergrund ab. Rot auf rot, oder schwarz auf rot...

Auch verstehe ich nicht warum der Schuber der Volume 1 matt ist, aber bei der Volume 2 glänzend?

Doch genug der negativen Punkte, denn schaut man in die Schuber, findet man Standard Blu-ray Hüllen, mit sehr schönen Wende-Covern! Wem das FSK Logo nicht gefällt, der dreht es einfach weg.

Auf der Front der Volume 1 findet ihr Nao, auf der Rückseite Yusa und Joujirou.

Auf der Volume Zwei sind es vorne Yuu und Ayumi, auf der Rückseite Yusa und ihre Schwester Misa.

Blu-ray Bonus-Inhalte: Streaming-Version Inklusive!

Mit seinen neuen Releases legt peppermint Anime auch jeweils einen Gutschein-Code für seine Streaming-Plattform AkibaPass.de bei. Allerdings erhält man, zumindest vorerst nicht die deutsche Dub, sondern nur Zugang zum Original mit Untertitel (OmU). Dies soll sich jedoch noch ändern, ein Termin wurde jedoch leider nicht genannt.

Eine Anmeldung auf der Plattform ist schnell erfolgt. Sie ist kostenlos und man erhält sogar einen Monat Bezahl-Mitgliedschaft gratis. Diese ermöglicht es euch auf einen großen Teil des Akiba-Pass Portfolios zuzugreifen und viele der angebotenen Anime kostenlos zu streamen.

Die beigelegten Coupon-Codes sind bis 2018 gültig. Sobald sie eingelöst wurden, bleiben die jeweiligen Anime auf unbestimmte Zeit in eurer Bibliothek und lassen sich jederzeit (mit einer Internetverbindung) abrufen, oder downloaden - um sie dann auch offline anzuschauen.

Auf Anfrage wurde von peppermint Anime bestätigt, dass es sich vorerst um eine Promotion-Maßnahme handelt, jedoch hält man sich offen, dies als dauerhafte Dreingabe bei seinen Releases beizubehalten. Dies wäre durchaus wünschenswert, da es sich aus meiner Sicht um einen echten Mehrwert handelt.

Desweiteren sind das Creditless OP und ED jeweils auf den Volumes verteilt. Schön! Ach und die OVA? Das ist eine "normale" Folge die zeitlich zwischen der Folge 5 und 6 angesiedelt ist.

6. Mein Fazit: 7,7 / 10

Charlotte ist ein Wechselbad der Gefühle. Für manche mag der Anime ein Geniestreich sein, für mich schießt er leider am Ziel vorbei.

Wenn ich das Release nach Volumes bewerten dürfte, wären es 9 / 10 für die Vol. 1 und 6,5 / 10 für die Zweite! Nach der Folge Sieben von der Vol. 1 ist man angefixt und gespannt wie sich die Geschichte weiter entfaltet. Die Folge 8 schließt mit Sarah von Ziehend auch noch sehr gut an, aber danach erfolgt ein Cut und der Nitro-Boost wird aktiviert. So stellt man sich viele Fragen, aber vor allem - warum so überhastet? Versuchsanstalten für Kinder mit übernatürlichen Kräften, Rückblenden in die Vergangenheit, Yuu erlangt seine Erinnerungen an eine gewisse Person wieder. Diese Person und seine Freunde haben auch übernatürliche Kräfte und sind diejenigen die diese Akademie betreiben.

Die Story-Elemente waren ein kleiner Mix aus Steins Gate, Code Geass, gepaart mit einem Schul-Szenario... Erstmal. Auch "Charlotte" selber wird nur kurz nebenbei erwähnt. Man weiß was es ist und wie am Ende mit den Spätfolgen umgegangen wird, aber auch hier fehlt Substanz.

Das Projekt hätte so viel mehr werden können, sollte es vielleicht auch. Denn Charlotte fühlt sich nach der Folge 8 an, wie eine meiner Abschluss-Klausuren - man hat geschrieben und geschrieben, plötzlich ist die Hälfte der Zeit vorbei, aber auf dem Papier sind nur 20% der Ideen gelandet. So versucht man dann komprimiert die restlichen Inhalte in der verbleibenden Zeit wiederzugeben und betreibt Schadensbegrenzung - doch leider gelingt das eben nicht so ausführlich und schön, wie am Anfang. Was in Klausuren häufig trotzdem zu guten Noten führt, ist in der realen Welt leider anders.

Denn sonst macht der Anime ja fast alles richtig!

Die technische Seite, hat P.A. Works nahezu perfekt hinbekommen. Was aber auch beinahe zu erwarten war, immerhin waren diese auch schon für Angel Beats! zuständig. Auch der Cast ist gut ausgearbeitet und wirkt nicht zu oberflächlich. Beispielsweise wirkt Yuu anfangs wie eine Kopie von Lelouch aus Code Geass, entwickelt aber mit der Zeit eigene Charakterzüge und wirkt so wesentlich authentischer.

Preislich ist Charlotte übrigens für eine Neuerscheinung fair platziert. Mit 2 Volumes a 35€ ist er günstiger als seinerzeit AnoHana und Steins Gate aus gleichem Hause, die bei ca. 50€ pro Volume angesetzt wurden.

Fun Fact: In Japan gibt es eine Blu-ray Sonderedition mit 7 Volumes a ca. 60€, oder anders gesagt für 420€ insgesamt. Diese beinhalten allerdings noch CDs und Artworks...

Und was bleibt jetzt abschließend zu sagen? Würde ich den Anime empfehlen? Ja, natürlich!

7.7 / 10 entspricht einem "Befriedigend, bis zwischendurch Gut" und genau so ist der Anime. Der Anfang ist genial, humorvoll und mit viel Liebe aufgebaut - dann kommt der erste Cut der den Anime noch weiter hervorhebt - und dann kommt besagter Schluss von Folge 9 aufwärts. Und selbst der ist befriedigend, aber eben nicht gut. Wer Supernatural-Anime mag, wird auch Charlotte mögen - und das deutsche Release ist, bis auf die Schuberrückseiten gut gelungen.

7. Amazon-Links


Über den Autor: zomg

Mit 32 Jahren gehört er schon fast zum alten Eisen in der Szene... Doch das Alter hat auch seine Vorteile, denn mit ca. 700 abgeschlossenen Serien, hat er schon einiges gesehen und weiß zumindest halbwegs wovon er schreibt ;).


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